MIT KLEINEN DINGEN DIE WELT VERÄNDERN. Interview mit Arwa

Zur Veröffentlichung von Bettinas Buch wurde ARWA IDREES, Bettinas Freundin aus Syrien, die im Buch eine zentrale Rolle hat, vom Verlag interviewt. Im Gespräch wird deutlich, wie wichtig unsere Arbeit und damit deine Unterstützung ist. Die ganze Geschichte findest du im Buch, das es hier auch als Dankeschön gibt.

Arwa über Sonderbares in Deutschland, lustige Situationen in Berlin, ihre Zukunftswünsche und die Chance, kleine Dinge in der Welt zu verändern.

Eden Books: Mit welchen Erwartungen sind Sie zu Bettinas Yogakurs gegangen?

ARWA IDREES: Die ersten zwei Monate in Berlin waren wirklich hart. Ich war verwirrt und blieb die ganze Zeit in meinem dreckigen Zimmer. Als ich dann diesen scheußlichen Raum betrat, in dem der Yogakurs stattfinden sollte, ahnte ich nicht, dass mir das Zusammentreffen mit Bettina das Tor zu einer neuen Welt öffnen würde. Bereits bei dem ersten Treffen spürte ich, dass Bettina ein ganz besonderer Mensch ist. Ich hätte allerdings niemals gedacht, dass wir so schnell Freunde werden. Schon in der ersten Yogastunde hatte ich das Gefühl, dass dies genau das Richtige für mich ist. Denn Yoga ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele.

Eden Books: Hat sich dadurch, dass Sie Bettina kennengelernt haben, etwas für Sie hier geändert?

ARWA IDREES: Mein ganzes Leben hat sich durch Bettina verändert. Ich denke ganz anders als früher. Viel positiver. Bettina sagt immer: »Wir können das!« und langsam fange ich an, das selbst so zu sehen. Doch sie hat nicht nur mein Leben, sondern auch das meiner Familie und meiner Freunde verändert.

Eden Books: Gibt es etwas, dass Sie in Deutschland besonders sonderbar finden? Was kannten Sie so vorher nicht?

ARWA IDREES: Ich finde vieles hier seltsam. Vieles, was ich kennengelernt habe, mag ich auch. Zum Beispiel, dass ältere Frauen in Deutschland sehr auf sich und ihr Äußeres achten und dass alte Paare sich umeinander kümmern. Ich mag es auch, dass die Menschen hier in der Bahn oder den Bussen lesen. Das kannte ich vorher nicht. Was ich sonderbar finde, ist, dass die Menschen hier den Kontakt miteinander vermeiden und sich nur selten in die Augen sehen. Sie gucken immer nach unten oder auf ihr Smartphone. Sie nehmen die Menschen um sich herum überhaupt nicht wahr, ganz besonders in der U-Bahn. Deshalb bemerken sie auch nicht, wenn eine ältere Person einen Sitzplatz braucht. Auch ist es hier anscheinend nicht üblich, dass junge Männer einer jungen Frau ihren Sitzaplatz anbieten. Das finde ich befremdlich.

Eden Books: Hatten Sie ein bestimmtes Bild von Deutschen bevor Sie hierher kamen? Und inwiefern hat sich das Bild inzwischen vielleicht geändert?

ARWA IDREES: Schon bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich mich für dieses Land interessiert. Als wir noch in Syrien waren, haben wir einmal in der Woche eine Sendung über Deutschland im DW-TV gesehen. Deshalb mochten und kannten wir Deutschland schon ein wenig bevor wir hier herge- kommen sind. Aber wir haben trotzdem nie in Erwägung gezogen, nach Deutschland zu gehen. Auch weil wir den Eindruck hatten, dass die Deutschen sich für etwas Besseres halten. Wie würden sie dann mit mir, die ich aus einem arabischen Land komme, umgehen? Ich dachte, dass sie zu mir und meinen Kindern unfreundlich sein würden. Es war für mich also unvorstellbar, in Deutschland zu leben. Aber letztendlich glaube ich, dass es Schicksal war. Wir mussten nach Deutschland kommen und haben eine ganz andere Realität vorgefunden. Ich kann gar nicht sagen, wie nett die Menschen hier sind. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich hier auf so viele freundliche Menschen treffen würde. Das hat mir auch die Kraft und Energie gegeben, mein eigenes Leben hier in der deutschen Gesellschaft aufzubauen.

 

CH

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